Status
Programm
Ort
Größe
Wohneinheiten
Leistungen
Bauherren
Konstruktion
Nachhaltigkeit
Projektteam
Partner
Tragwerksplanung
TGA
Projektsteuerung
Ausführung
Fertigstellung Dezember 2023
Gemeinschaftliches Wohnprojekt (inkl. Gemeinschaftsräumen, Küche, Dachgarten, Dachterrasse) & Gewerbe (Kita, Gastronomie, Werkstatt)
Friedrich-Karl-Straße 6-10
28205 Bremen
3.720 m2
29
Konzeptverfahren & LP 1-5
Genossenschaft KARL
Massivbauweise aus Stahlbeton und Kalksandstein
WDVS-Fassade und Klinkerriemchen in Fischgrätmuster
KfW Effizienzhaus 40
Max Mütsch, Fabian Klemp, Paul Zöll, Christin Repp
Janitz Ingenieure
Ingenieurgesellschaft Schnittger Wilde
Müller Rose Projektsteuerung, PlanW
Bernhard Kathmann Bauunternehmung
Genossenschaftliches Wohnprojekt
Die Genossenschaft KARL hat im Jahr 2019 im Zuge eines Konzeptverfahrens der Stadt Bremen den Zuschlag für das Grundstück an der Friedrich-Karl-Straße erhalten. Das Wohnprojekt befindet sich im neuen Hulsberg-Viertel in direkter Nachbarschaft zu historischen Bestandsgebäuden des alten Klinikums Bremen-Mitte. KARL (50 Erwachsene zwischen 35 und 70 Jahren, sowie 20 Kindern und Jugendlichen), hat ihren Grundsatz „solidarisch bauen und wohnen“ verwirklicht und ein auf mehreren Ebenen integratives Gebäude geschaffen. Mit dem Erwerb des städtischen Grundstückes hat sich die Genossenschaft für die im Konzeptverfahren vereinbarte solidarische Nutzung auf Dauer verpflichtet. Das Projekt wirkt aktiv der Spekulation mit Wohnraum entgegen und sichert bezahlbare Mieten, weil die Wohnungen genossenschaftlich genutzt und somit langfristig dem Markt entzogen werden. Die Mieten werden von den Bewohner*innen jährlich neu berechnet und je nach individueller Familien- und Einkommenssituation angepasst.
Der lange viergeschossige Baukörper mit Staffelgeschoss wird durch zwei Eingänge gegliedert und bildet hofseitig einen Laubengang aus, der alle Wohnungen erschließt und mit den Gemeinschaftsräumen verbindet.
Wohnungsmix
Die 29 Wohneinheiten sind zwischen 35 und 109 m2 groß und bieten der diversen, generationsübergreifenden Genossenschaft einen vielfältigen Wohnungsmix. Es lassen sich drei Grundrisstypen unterscheiden: Die (1) Wohngemeinschaften (gefördert) am Kopf des Gebäudes, (2) durchgesteckte Wohnungen am kommunikativen Laubengang und (3) etwas abgesetzte Familienwohnungen mit Ausrichtung zum Quartiersplatz.
Solidarische und individuelle Gestaltung
Das unter hohem wirtschaftlichem Druck errichtete Wohnprojekt verbindet und realisiert genossenschaftliche und inklusive Themen. Die Erschließung des Gebäudes sowie alle Gemeinschaftsflächen sind barrierefrei und rollstuhlfreundlich, eine Wohnung ist rollstuhlgerecht. Im 1.Obergeschoss befindet sich eine Inklusions-WG (geförderter Wohnraum). Die halb-privaten Laubengänge verbinden die Begegnungsflächen, Rückzugsorte und Wohnbereiche miteinander und können von den Bewohner*innen individuell gestaltet werden. Der Laubengang bildet als offene Kommunikationszone zum Hof eine belebte, nachbarschaftliche Fassade aus und wird vor allem von den Kindern als gemeinschaftlicher vertikaler Spielraum genutzt. Große Spannweiten ermöglichen eine hohe Flexibilität in der Grundrissgestaltung. Ein einheitlicher, inklusiver Ausbaustandard macht die Wohnungen geeignet für einen Tausch zu einem späteren Zeitpunkt – etwa bei veränderten Lebensverhältnissen oder Bedürfnissen, zum Beispiel nach dem Auszug von Kindern.
Gemeinschaft als Grundsatz
Ein hoher Anteil von über 25 % der Flächen im Gebäude sind mit gemeinschaftlichen und quartiersorientierten Nutzungen belegt. Diese ermöglichen und verstärken das solidarische Zusammenleben im Alltag. Im gemeinsamen Planungsprozess mit der Gruppe lag der Fokus auf kreativen Lösungen, die den Anforderungen der generationsübergreifenden Genossenschaft gerecht werden. Trotz des knappen Budgets wurden Standards übererfüllt (u.a bezüglich der Barrierefreiheit) und gleichzeitig Kompromisse bei der Finanzierung der Wohnungen zugunsten der Gemeinschaftsflächen gefunden. Genossenschaftlich genutzte Flächen wie das belebte Erdgeschoss mit Kita und KARL-Raum, flexibel nutzbare „Plusräume“ auf allen Geschossen sowie der gemeinschaftliche Garten und die Dachterrasse mit Dachgarten fördern das Zusammenleben.
Bauliche Besonderheiten
Die in der Gestaltungssatzung des neuen Hulsberg-Viertels geforderte rote Klinkerfassade wurde aus Kostengründen nur im Erdgeschoss als „Fassaden-Gürtel“ in Fischgrät-Anordnung umgesetzt. So wird die Fassade zur identitätsstiftenden Besonderheit und trägt zur Adressbildung des Gebäudes innerhalb der Stadt bei. Die Fugen zwischen den Klinkern greifen die rote Farbigkeit der darüberliegenden roten Putzfassade wieder auf. Damit werden die Bedürfnisse des Projekts mit dem Erscheinungsbild in Einklang gebracht, das von der Gestaltungssatzung vorgesehen wird. Als sinnvolle bauliche Ausnahme im B-Plan konnte auf dem Staffelgeschoss ein großer Dachgarten verwirklicht werden. Er bietet der Hausgemeinschaft zusätzlich zum intensiv genutzten Hof einen wichtigen gemeinschaftlichen Freiraum und Treffpunkt. Zudem wird sich die intensiv begrünte Fläche vorteilhaft auf das Stadtklima auswirken. Das Gebäude, ein KfW-Effizienzhaus 40, ist in kosteneffizienter Bauweise in Kalksandstein und im Erdgeschoss mit Stahlbeton errichtet. Auf eine Unterkellerung wurde zugunsten der Finanzierbarkeit der vielen Gemeinschaftsflächen verzichtet.
Gemeinschaft und Freiflächen
Solidarisches Mietmodell
Lageplan
Nutzungsverteilung
Regelgeschoss
Erdgeschoss
Dachgeschoss