4 Wohnhäuser im Friedrichshain / Berlin 2025

Wirtschaftlich

Status
Programm
Ort




Größe 
Wohneinheiten
Leistungen
Bauherren
Konstruktion

Nachhaltigkeit
Projektteam


Partner

Fertigstellung März 2025
Geförderter Wohnungsbau
Landsberger Alle 62C
Pintschstraße 10
Eckertstraße 7
Weinstraße 32
10249 Berlin-Friedrichshain
11.925 m2
109
Vergabeverfahren VgV & LP 1-5
WBF/WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH
Hybridbauweise, Stahlbeton-Konstruktion & nicht tragende Holzrahmen-Modulfassade mit Kerndämmung
Vorfertigung von Bauteilen, verbundstofffreie Fassade
Paul Zöll, Tamara Granda, Andreas Friedel, Fabian Klemp, Julia Mroczynska, Jakob Desel

el:ch Landschaftsarchitekten
CRP Bauingenieure GmbH
GPlant GmbH Architekten + Ingenieure

Serielle Nachverdichtung im Friedrichshain, 109 Sozialwohnungen
Rund um den Volkspark Friedrichshain sind auf vier kleinen Restgrundstücken vier soziale Wohnungsbauten mit seriellen Grundrissen und modularen Bauteilen entstanden. Ein modularer Systementwurf ermöglichte, dass die vier unterschiedlichen Gebäude als ein Gesamtprojekt geplant und umgesetzt werden konnten. So wurden die vergleichsweise kleinen Mehrfamilienhäuser nun trotz anspruchsvoller Grundstücksbedingungen kostengünstig und zeiteffizient realisiert. Dank modularer Bauweise und eines seriellen Grundrisssystems wurde zeitgemäßer Wohnraum geschaffen, der ökonomischen, ökologischen und sozialen Anforderungen gerecht wird.

Eine serielles Grundrissraster für vier GebäudeMit Hilfe des modularen Grundrissprinzips und eines flexiblen Erschließungssystems passen sich die vier Gebäudetypologien in das jeweils bestehende Stadtgefüge ein und ergänzen dieses: Das freistehende Punkthaus als 4-Spänner (Landsberger Allee, 32 Whg), das Eckhaus mit Laubengangerschließung (Pintschstraße, 29 Whg), der Lückenschluss mit Remise als 2-Spänner (Eckstraße, 15 Whg) und das Eckhaus mit Laubengangerschließung (Weinstraße, 33 Whg).Ein identisches quadratisches Grundraster von 3,65 x 3,65 Metern bildet die Grundlage für die serielle Planung der Mietwohnungen. Durch das Erschließungssystem ergeben sich zwei unterschiedliche Wohnungstypen: Der Wohnungstyp Laubengang ist durchgesteckt und über drei Rasterfelder zweiseitig ausgerichtet. In der Mitte befinden sich das Bad während die Wohnräume nach außen orientiert sind – mit Wohnzimmer und Balkon zur Straße oder zum Garten sowie Küchen und Kinderzimmern am Laubengang zum Hof. Der Wohnungstyp Zentralerschließung hingegen ist über Eck zweiseitig ausgerichtet.Die lichte Raumhöhe beträgt in allen Gebäuden 2,6 Meter. Jeder Wohneinheit ist ein privater Außenbereich zugeordnet, sei es in Form eines Balkons, einer Terrasse oder eines Teils der Laubengänge. Lokale Anpassungen sind durch die seriellen Grundrisse unkompliziert umsetzbar.

Wiederkehrende Module in allen vier Gebäuden
Das serielle Grundraster ermöglicht, dass bei allen vier Neubauten - trotz unterschiedlicher Gebäudetypologien - sich wiederholende Bauelemente als Module eingesetzt werden konnten. Zum Einsatz kommen zwei wiederkehrende Typen von Fertigbädern (insgesamt 109 Stück) und 4 wiederkehrende Fassadenmodule (insgesamt 422 Stück). Durch die effiziente Vorfertigung der Module konnte der Einzelpreis je Bauelement deutlich gesenkt werden. Deshalb war es u.a. möglich französische Fenster anstelle einfacher Brüstungsfenster einzusetzen.
Diese Kombination aus Serialität und Modularität erhöht nicht nur die Qualität der Elemente, sondern schafft ein flexibles und effizientes Bausystem. Grundelemente im Grundriss wie Küche, Bad/Flur und Wohnzimmer können mit 1 bis 4 Individualräumen kombiniert werden, um 1- bis 5-Zimmerwohnungen zu gestalten. Dies führt zu einem flexiblen Grundrissatlas mit zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten.

Kosteneffizienz durch Vorfertigung
Serialität und Modularität zielen darauf ab, trotz der Budgetbeschränkungen im sozialen Wohnungsbau eine hohe architektonische Qualität im Sinne der Bewohner*innen zu gewährleisten. Durch den Einsatz vorgefertigter Bauteile wird die Effizienz auf der Baustelle gesteigert und Bauzeit gespart.
Die Auslagerung von Bauteilen mit komplexen Gewerkefolgen, wie Fassaden und Fertigbädern, aus dem Bauablauf in die Vorfertigung trägt zur Beschleunigung des Bauprozesses bei. Gleichzeitig wird durch die Minimierung von Überschneidungen verschiedener Gewerke der Bauprozess vereinfacht und typische Fehlerquellen vermieden. Die Vorfertigung von Fassaden und Fertigbädern in einer Halle sichert insbesondere bei Anschlüssen und Oberflächen eine höhere Qualität. Dadurch fließt das Budget nicht in Anfahrtswege, Nachbesserungen und Fehlerbehebungen, sondern wird direkt in nachhaltige und hochwertige Bauteile investiert.
Zusätzlich führt die Planung mit seriellen Grundrissen zu einer Reduzierung der Erschließungskosten und höheren Effizienz der Versorgungsnetze.

Nachhaltige HybridbauweiseDie Wohnhäuser sind als Hybridkonstruktion aus Stahlbeton mit einer nicht tragenden Modulfassade in Rahmenbauweise errichtet, die mit Holz-Alu-Fenstern ausgestattet ist.
Die vier Gebäude werden äußerlich durch eine helle Wellblechfassade geprägt, deren vertikale Wellen ein lebendiges Schattenspiel erzeugen. Aus Brandschutzgründen sind die Balkone und Laubengänge in Stahlbeton ausgeführt und an die Fassade gehängt. Die hellen Fassaden und Balkone bilden einen Kontrast zur vertikalen Fassadenbegrünung, die nicht nur zur ästhetischen Gestaltung beiträgt, sondern auch den Grünanteil der Wohnumgebung erhöht. Durch die vorgefertigte Fassade in Rahmenbauweise wird die gesamte Wandtiefe der Außenwände für die Dämmung genutzt sowie einen Flächengewinn für die Mietwohnungen generiert.Die modulare Bauweise minimiert zudem kosten- und zeitintensive Abläufe im Bauprozess. Bei den vier Mehrfamilienhäusern liegt ein besonderer Fokus auf der Reduktion von erdölbasierten Produkten, was beispielsweise durch den Einsatz von Linoleum anstelle von PVC und Holz-Alu-Fenstern statt PVC-Fenstern erreicht wird. Dies trägt zur Verbesserung der Wohngesundheit und zur Nachhaltigkeit der vier Sozialwohnungsbauten bei.

Vier Wohnhäuser rund um den Volkspark Friedrichshain

Gebäudetypologie und Modularität der vier Häuser

Pintschstraße

Solidarisches Mietmodell

Lagepläne

Regelgrundrisse

Regelgrundriss Langsberger Allee

Schnitt Landsberger Allee

Veröffentlichungen