Status
Programm
Ort
Größe
Wohneinheiten
Leistungen
Bauherren
Konstruktion
Projektteam
Partner
Fertigstellung 2017
Wohnen
Pettenkoferstraße
01139 Dresden
1.400 m2
12LP
1-8
Baugruppe Tabakfabrik Alttrachau GbR
Bestand Ziegelmauerwerk, Neubau Holzständerkonstruktion
Jan Kertscher, Karoline Hietzschold
Janitz Ingenieure
3 neue Baukörper in Bestandshülle eingesetzt
Die alte Fabrik wurde vollständig entkernt. Nur die Außenhülle des Bestandes blieb erhalten. In diese bestehende Hülle wurden 3 neue Baukörper eingesetzt. Zwischen der äußeren Hülle und dem implantierten Neubau wurde eine unbeheizte Zone vorgesehen, die je nach Jahreszeit unterschiedlich genutzt werden kann. Weiterhin wurde in den sehr tiefen Grundkörper der Fabrik ein Patiohof eingeschnitten, um eine größere Fassadenfläche und eine gute Belichtung für die Wohnungen zu schaffen. Der Patiohof erschließt die drei Baukörper und dient als gemeinschaftlicher Treffpunkt mit angrenzendem Gemeinschaftsraum. Die Enge des Grundstücks wird durch einen großzügigen Dachgarten kompensiert. Dieser enthält gemeinschaftliche sowie private Bereiche zu anliegenden Wohnungen und besteht aus großen Holzdecks und intensiver Dachbegrünung.
Kalträume – erweitern die Wohnungen
Die Abstände zwischen Neubau und Bestandsbau variieren, so dass Zwischenzonen entstehen, die aus der Klimahülle des Neubaus ausgelagert sind zusätzliche Funktionen übernehmen. So erweitert sich – jahreszeitabhängig – der Wohnraum durch Küchen im Außenbereich, Wintergarten, Vorgarten, Außendusche oder auch Abstellräume, Wäschebereiche oder eine Werkstatt. Diese Räume sind als „Kalträume“ im Projekt beschrieben und verändern den klassischen Wohnraum so stark, dass wir von atmenden Wohnungsgrundrissen sprechen.
Survey (Forensische Vor-Ort-Aufnahme)
Im Mai 2011 wurde eine gemeinsam mit den Bauherren eine „Vor-Ort-Aufnahme“ durchgeführt. Diese war angelehnt an eine forensische Spurenaufnahme, die in Ergänzung zum architektonischen Konzept eine Auseinandersetzung mit dem Gebäude, eine unmittelbar begreifbare zweite Ebene des Umbaus etablierte: Eine Ebene der Dinge und der Nutzungen im Kontext der Umwandlung einer Fabrik in ein Wohngebäude. So wurde ein Spurensicherungsverfahren entwickelt, das durch fotografische und zeichnerische Dokumentation und gefundene Objekte, die Identität und konkrete Qualitäten des Gebäudes deutlich sichtbar machte. Die enge Beziehung des heutigen Wohngebäudes zum Altbestand hat hier seine Wurzeln.
Gestaltung mit der Baugruppe
Die Baugruppe hatte von Beginn an einen unbedingten Willen ihren zukünftigen Wohn- und Lebensraum eigenständig zu gestalten. Die Architekten wurden daher eher als fachliche Berater und weniger als Entwerfer benötigt. Somit wurde es zur Aufgabe der Architekten, einen Prozess zu entwerfen, der Laien möglichst weitgehend zur Planung und Gestaltung ihres Gebäudes befähigt. Da ein Gebäudeumbau ein komplizierter Prozess ist, entstand die Notwendigkeit die vielen möglichen Entscheidungen aufzubereiten und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile darzustellen.
Eigenleistungen
Eine weitere Besonderheit des Projektes war der Wunsch der Baugruppe, große Teile in Eigenleistung zu erbringen. So erfolgte die Planung und Durchführung von Teilen des Ausbaus, der Landschaftsgestaltung, der Dachbegrünung, parallel zum regulären Bauablauf. Diese Arbeiten waren für die Architekten schwer prüfbar, so dass die Fertigstellung des Projekts offen bleibt. Da das Weiterbauen zur elementaren Struktur dieses Baugruppenprojekts gehört, hat die Fertigstellung des Gebäudes für die Mitglieder nicht die übliche Bedeutung. In dieser Beziehung mussten die Architekten formal und praktisch erheblich umdenken.
Obergeschoss
Erdgeschoss
Dachgeschoss