Status
Programm
Ort
Größe
Wohneinheiten
Leistungen
Bauherren
Konstruktion
Nachhaltigkeit
Projektteam
Partner
Fertigstellung März 2025
Klimafreundlicher Neubau 4 Wohngebäude & Gemeinschaft, Co-Working & Werkstatt
An der Rummel 1-7
14806 Bad Belzig
BGF 5.300 m2
45
LP 1 – 8
Genossenschaft Leben im Fläming
Holzbauweise, Holzständerkonstruktion, Fassade mit Lärchenverschalung, ökologischer Innenausbau
WDVS-Fassade und Klinkerriemchen in Fischgrätmuster
KfW 40 NH, DGNB Zertifizierung, Grauwassernutzung, fossilfreie Energieversorgung
Christin Repp, Antonia Wagner, Tamara Granda, Fabian Klemp, Paul Zöll
Projekt Bau Kluge UG, Mauer Projektmanagement, Christoph Günther Architekt, Planungsbüro Drobka GmbH, Blue Monkey Engineering
Am Rand der brandenburgischen Kleinstadt Bad Belzig baut eine soziokratisch organsierte Genossenschaft das Wohnprojekt „Leben im Fläming”. Ziel ist es, Vielfalt zu leben, eine Kultur des bewussten Miteinanders zu schaffen und ein engagierter, nachhaltiger Teil der Region zu werden.Vier Häuser und drei Gemeinschaftshäuser bieten Platz für rund 100 Menschen in allen Lebensphasen. Die Wohnhäuser bestehen jeweils aus einem zwei- und einem dreigeschossigen Gebäudeteil, die über eine Veranda als Aufenthalts- und Erschließungsbereich verbunden sind. Die Gleichwertigkeit der Wohnungen ist aufgrund der durchgehend dreiseitigen Ausrichtung und den freien Blicken in die Landschaft gewährleistet. Drei eingeschossige Gemeinschaftshäuser schaffen Raum für das Leben und Arbeiten in der Genossenschaft. Zusammen mit den Wohnhäusern entsteht ein Wechselspiel aus der ruhigen Bebauung und einem abwechslungsreichen Landschaftsraum.Die Gebäude sind in ökologischer, verbundstoffarmer und trotzdem wirtschaftlicher Holzbauweise errichtet. Der Umgang mit Wasser ist ressourcenschonend: es wird Grauwasser im Schilfbeet aufbereitet und für Toilettenspülung genutzt und Regenwasser für die Gärten gespeichert. Die postfossile Energieversorgung ermöglicht eine weitestgehende Autarkie des Grundstücks. Die Gebäude sind im Energiestandard KfW-Effizienzhaus 40 mit der Förderungsklasse Nachhaltigkeit errichtet sowie DGNB-Gold zertifiziert.
Verdichteter Wohnungsbau im ländlichen Raum
Die vorstädtische Bebauung rings um das handtuchförmige Baugrundstück direkt am Stadtrand von Bad Belzig ist durch eine lockere Einfamilienhausbebauung geprägt. Mit den vier zwei- bis dreigeschossigen Verandahäusern und den drei eingeschossigen Gemeinschaftshäusern entsteht, entsprechend des vorhabenbezogenen B-Plans eine für diese Lage dichte Bebauung.In den Mehrfamilienhäusern sind je 10 bis 13 Wohnungen durch eine offene Veranda mit Treppen erschlossen. Insgesamt ist in 4 den Mehrfamilienhäusern ein hoher Wohnungsmix von 46 Wohnungen, zwischen 48qm und 130 qm für rund 100 BewohnerInnen entstanden.Die hohe räumliche Qualität der Verandahäuser wird zuerst durch ihre städtebauliche Setzung erlebbar. Die vier versetzt entlang Erschließungsstraße stehenden Wohnhäuser formen ein Wechselspiel aus städtischen Plätzen und abwechslungsreichen Landschaftsräumen. Gerahmt wird die dichte Wohnbebauung dem Co-Working-Haus und der Werkstatt an der Straße und vom Gemeinschaftshaus am Waldrand. In der südbrandenburgischen Kleinstadt Bad Belzig ist mit den Verandahäusern eine neue Typologie entstanden, die auf die aktuellen Herausforderungen wie Zersiedlung und die hohe Flächenverbrauch der ortstypischen Einfamilienhaussiedlungen reagiert. Mit den Verandahäusern wurde die Grundstücksausnutzung (GFZ) von 0,45 auf 0,61 erhöht. Das entspricht einer Flächenersparnis von circa 30 % im Vergleich zu benachbarten Einfamilienhausgebieten. Dieser Raumgewinn wird von der Genossenschaft für nachhaltig bewirtschaftete Grün- und Wasserflächen gemeinschaftlich genutzt. Zudem kann die Genossenschaft auf neue Wohnflächenbedarfe durch sich verändernde Lebensumstände reagieren; so können Wohnungen innerhalb der Gruppe getauscht werden. Der Wohnflächenverbrauch liegt mit 35 qm pro Person weit unter den ortstypischen 47 qm Wohnflächen pro Person.
Verandahaus - kompakte und gemeinschaftliche Typologie
Die Verandahäuser bestehen jeweils aus einem zwei- und einem dreigeschossigen Wohngebäude in Holzbauweise, die durch eine offene Veranda in Stahl-Holzhybridbauweise erschlossen werden. Die Wohngebäude sind so zueinander verschoben, dass alle Wohnungen dreiseitig ausgerichtet sind und einen freien Blick in die Landschaft erlauben. Gleichzeitig entsteht durch die Verschiebung ein gemeinschaftlicher Eingangsbereich ins Haus straßenseitig und ein geschützter Garten auf der Rückseite. Die Veranda selbst ist in ihrer Länge flexibel. So kann das Verandahaus auf unterschiedlichen Wohnungsmix, unterschiedliche Grundrisstypen und Grundstückstiefen reagieren.
Veranda-Konstruktion
Die freistehende Stahlkonstruktion der Veranda macht eine einfache und damit wirtschaftliche Holzbauweise der Wohngebäude möglich. Die materialoptimierte Stahlkonstruktion der Veranda aus filigranen feuerverzinkten V-Stützen mit Holzdeckenelementen erfüllt die baulichen Anforderungen der Erschließung der Wohnungen und sichert den 1. Rettungsweg. So kommen die in Holzbauweise errichteten Wohnungen mit minimaler statischer Ertüchtigung und minimalen technische Brand- und Schallschutzlösungen aus.Gleichzeitig wird die Veranda selbst durch die geschossweise versetzen Treppen und die offenen Lichthöfe an der Fassade zoniert. Dabei werden Sichtverbindungen zwischen den Geschossen geschaffen sowie die an der Veranda gelegenen Zimmer belichtet. So fungiert die Veranda durch ihre räumliche Ausprägung zusätzlich als großzügiger, individuell möblierbarer Freisitz und als Begegnungsort der jeweiligen HausbewohnerInnen.
Wirtschaftliche Wohnkörper in verbundstoffarmer Holzbauweise
Die tragenden Wände der Wohngebäude sind aus vorgefertigten Holzrahmenbauwänden mit Einblasdämmung und vorvergrauter Lärchenverschalung errichtet. Die massiven Brettsperrholzdecken aus zertifizierter nachhaltiger Forstwirtschaft kragen teilweise über die Außenwand aus und bilden zusätzlich Balkone aus. Diese werden stellenweise durch V-Stahlstützen unterstützt. Den erhöhten Herausforderungen des Schallschutzes nach DIN 4109 sowie der DEGA-Klasse D/C im Holzbau wurde statt mit teuren technischen Lösungen wie dem Einsatz von Elastomeren, mit einfachen baulichen Maßnahmen begegnet: Die Wohnungstrennwände sind zweischalig konstruiert - die Wohnungen stehen somit getrennt nebeneinander. Im Innenraum sind die Installationswände getrennt von den tragenden Wänden errichtet. Dem gleichen Prinzip folgen die Decken. Diese sind ebenfalls im Bereich der Wohnungstrennwand getrennt und werden durch eine Abhangdecke inkl. Flächenheizung zusätzlich schallschutztechnisch ertüchtig.Ein besonderes Augenmerk in der Konstruktion liegt auf den Oberflächen. Diese sind wohngesund und mit erhöhten Anforderungen an Recyclingfähigkeit und Raumluft mit verschraubten Echtholzdielen und Lehmputz gestaltet. Wirtschaftlich umgesetzt wurde dies, indem Unterbauten wie Trockenestriche und Abhang-Elemente zwar rückbaubar aber als Industriestandard ausführt wurden.
Zirkulär und Fossilfrei Leben
Auf dem gesamten Gelände der Genossenschaft Leben im Fläming werden Ressourcen zirkulär und sparsam genutzt sowie erneuerbar Energien eingesetzt. So wird für die Wärmeversorgung die geothermische Wärme von 30 Erdsonden genutzt, über dezentrale Wärmepumpen, die mittels elektrischer Solarenergie betrieben werden. Die Deckenheizung verteilt die Wärme im Gebäude und noch relevanter beim klimaresilienten Bauen, kann die Holzgebäude im Sommer kühlen. Die Stromversorgung erfolgt größtenteils über genossenschaftlich betriebene Photovoltaikanlagen.Der besonders in Brandenburg knapper werdenden Ressource Wasser wird außerordentliche Beachtung geschenkt: Eine Pflanzenkläranlage reinigt das Grauwasser, das anschließend für die Toilettenspülung wiederverwendet wird. Dadurch können rund ein Drittel des Trinkwasserbedarfs sowie 60 % des Abwassers eingespart werden. Regenwasser wird gesammelt und ist in Form von Retentionsmulden und einem Naturteich ein wichtiges Element für die Gestaltung und das Mikroklima des Genossenschaftsdorfes.
Soziokratisch organisiert in Gemeinschaft leben
Unterschiedliche gemeinschaftliche Außenflächen, wie Naturteich, Permakulturen, Obstwiese, zonieren das Grundstück und schaffen naturbezogene, lebendige und beruhigte Orte. Dazu schaffen drei gemeinschaftlich finanzierte und betriebene eingeschossige Gemeinschaftshäuser Raum für das Leben in der Genossenschaft. Das große Gemeinschaftshaus am Waldrand mit einem Multifunktionsraum und großer Küche bietet Platz für interne Gruppentreffen, aber auch öffentliche Yogakurse und Meditationen oder Spielnachmittage für Kinder sowie gemeinsame Kochabende. Das Co-Working-Haus, das auch für die Belziger Stadtbevölkerung offen ist, ermöglicht lokal vernetztes Co-Working, eine kleine Werkstatt das gemeinsame Handwerken und Reparieren. Die Genossenschaft Leben im Fläming organisiert sich soziokratisch. Diese Organisationsstruktur wurde bereits im Planungsprozess erfolgreich erprobt und erlaubt ergebnisorientierte Entscheidungsprozesse. Der bewusste Umgang miteinander und das Konsentprinzip sind hierbei grundlegend, da diese Methode sicherstellt, dass keine Person übergangen wird. Konsentprinzip bedeutet, dass es keine schwerwiegenden und begründeten Einwände im Sinne der gemeinsamen Ziele gibt. Ergänzend greift bei Bedarf durch beispielsweise schwer lösbare Meinungsverschiedenheiten das Prinzip des Konsens, einer Entscheidung mit einer 2/3 Mehrheit. Durch die soziokratische Organisationsform wird ein kollektives Bewusstsein, die Mitarbeit sowie die gegenseitige Mitverantwortung verankert.Für das Wohnen zahlen die Genossen bei Einzug ein durchschnittliches monatliches Nutzungsentgeld / Miete von ca. 14 Euro pro qm Wohnfläche. Darin sind die Kosten für die Gemeinschaftsflächen enthalten. Die Mitglieder der Genossenschaft erwerben Genossenschaftsanteile. Geringere Eigenkapitalmittel wurden in über einen Solidarfond der Genossenschaft durch höhere Eigenkapitalquoten von anderen Mitgliedern ausgeglichen.
Gemeinschaftsflächen, Wohnungsmix + Außenraumgestaltung
Räumliches Prinzip und Bauweise
Details
Schnitt und Energiekonzept
Regelgrundriss Verandahaus
Gemeinschaftshäuser