Ausbaulofts / Braunschweig 2025

Gemeinschaftlich /flexibel / umbauen

Status
Programm
Ort

Größe 
Wohneinheiten
Leistungen
Bauherren
Konstruktion

Nachhaltigkeit

Projektteam

im Bau
Mehrfamilienhaus, innerstädtisches Wohnensemble
Schuhstraße 6
38100 Braunschweig
BGF 2.822 m2
24 + 2 Gemeinschaftsräume, 1 Gewerbeeinheit
LP 1-5
Öffentlicher Auftraggeber
Holz-Hybridkonstruktion, Fassade als hinterlüftete Holzständerkonstruktion mit Einblasdämmung
flächeneffiziente Nachnutzung einer Innenstadtbrache GEG 2024, Fernwärme, Niedrigenergieverteilungsnetz
Gregor Tangerding, Christin Repp, Ruben Titze

„Neue Stiftshöfe“ - vom Leerstand zum Lebensraum
Die Innenstadt von Braunschweig ist geprägt von einer auf den mittelalterlichen Grundriss zurückgehenden kleinteiligen und sehr dichten Stadtstruktur. Die in den 80er-Jahren entstandene Burgpassage bildete eine Metastruktur, die den mittelalterlichen Block der historischen Stiftshöfe komplett ausfüllte und einer durchweg ökonomischen Nutzung zuführte. Nach jahrelangem Leerstand wurde das Areal mit dem Ziel der aktiven Innenstadtentwicklung durch die Stadt Braunschweig erworben. Die Reduzierung von Leerständen in Verbindung mit dem Ausbau der Innenstadt als attraktivem Wohn- und Lebensort steht dabei im Fokus. Um ideale Bedingungen für alle Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste der Stadt Braunschweig zu schaffen, wird das bestehende Gymnasium Kleine Burg erweitert, ein Hotel gebaut, und zwei Wohngebäuden errichtet, die modernes, offenes Wohnen in die Innenstadt von Braunschweig bringen. Die historischen Fassaden zur Innenstadt werden erhalten.

Passgenau im mittelalterlichen Gefüge
Das dreigeschossige Wohnhaus zur nördlich gelegenen Einkaufsstraße greift die Kubatur und Dachform der ursprünglichen Bebauung auf. Die denkmalgeschützte Fassade wird in den Neubau integriert. Der hofseitig positionierte siebengeschossige Wohnturm ergänzt das Ensemble als eigenständiger Baukörper, seine polygonale Geometrie fügt sich wie selbstverständlich in die mittelalterliche Stadtstruktur ein. Herzstück des Wohnensembles ist der gemeinsame, von Balkonen eingefasste Innenhof mit den beiden Hauseingängen, der als zentraler Treffpunkt für die Bewohner:innen dient und für Austausch, Spiel und Feiern genutzt werden kann.

Auffächerung zum Innenhof

Auf jedem Geschoss werden drei kompakte, flexible 2- und 3- Zimmerwohnungen von der großzügigen Treppenhalle aus erschlossen. Die Anordnung von Bädern und Eingangsdielen als Kern entlang des Treppenraums fungiert als Schallschutzbarriere und ermöglicht gleichzeitig maximale Fassadenanteile für Wohn- und Schlafräume. Diese reihen sich entlang der facettierten Fassade und gewähren unterschiedliche Perspektiven in den Hof.Umlaufende trapezförmige Balkone erweitern die Wohnräume ins Freie und schaffen einen belebten Außenbereich für die Bewohner.Ergänzt wird das Wohnangebot durch gemeinschaftlich nutzbare Räume wie ein am Innenhof gelegenes Gästezimmer sowie einen Gemeinschaftsraum mit Sommerküche und Dachterrasse im obersten Geschoss.

Flexibilität durch Ausbaustandards
Erklärtes Ziel der Innenstadtstrategie der Stadt Braunschweig ist die Belebung der historischen Innenstadt durch neuartige Wohnangebote. Das Wohnensemble besteht daher aus kompakten, durch die Definition von zwei Ausbaustandards an die jeweilige Lebenssituation anpassbaren Wohnungen.Im Standard A kann auf einer zusammenhängenden Fläche großzügig gewohnt werden, Decken und Wohnungstrennwände bleiben in diesem Fall materialsichtig. Im Standard B wird die Wohnung, nach Wunsch nachträglich, auf Grundlage der bereits im Voraus festgelegten, effizienten Grundrisse ausgebaut. Eine Vorrüstung von Schwellen im Fußbodenaufbau erlaubt eine einfache und eigenständige Anpassung der Raumaufteilung an festgelegten Stellen, ohne den Bodenaufbau oder den Schallschutz zwischen den Räumen zu beeinträchtigen.

Wohnfassade

Die Fassade ist nicht nur als äußere Hülle, sondern als innenseitig nutzbare Raumgrenze konzipiert. Aus jedem Raum ist ein direkter Austritt ins Freie möglich. Als Einbaumöbel konzipierte Tische, Regale und Lowboards gliedern die Fassade räumlich und erhöhen den Nutzwert der fassadennahen Wohnbereiche. Umlaufende Balkone und verschiebbare Sonnenschutzvorhänge bieten zusätzlichen Sonnen- und Sichtschutz und stärken die räumliche Qualität der Wohnungen.

Robustes Grundgerüst - nachhaltiger Innenausbau
Die Tragstruktur des Wohnturms ist als minimales Stahlbetonregal aus tragenden Wohnungstrennwänden und Geschossdecken mit aussteifendem Treppenkern geplant. Die Außenwände sind als leichte elementierte Holzrahmenkonstruktion mit Mineralwolledämmung konzipiert und erhalten eine vorgehängte, hinterlüftete Fassade aus geschosshohen Profiltafeln aus langlebigem Recycling-Aluminium.Die nichttragenden Innenwände innerhalb der Wohnungen sind als nachrüstbare Trennwände in Trockenbauweise konzipiert mit einer Beplankung aus CO2- zertifizierten Holzwerkstoffplatten. Die Trennwände können an im Bodenbelag gekennzeichneten Stellen nachträglich auf den fertigen, mit Heizestrich und schwimmend verlegtem Fischgrätparkett versehenen Fußboden gestellt werden.



Herzstück des Wohnensembles ist der gemeinsame, von Balkonen eingefasste Innenhof mit den beiden Hauseingängen, der als zentraler Treffpunkt für die Bewohner:innen dient und für Austausch, Spiel und Feiern genutzt werden kann.

Grundriss Regelgeschoss

Grundriss Staffelgeschoss


Im Standard A kann auf einer zusammen- hängenden Fläche großzügig gewohnt werden, Decken und Wohnungstrennwände bleiben in diesem Fall materialsichtig.

Im Standard B wird die Wohnung, nach Wunsch nachträglich, auf Grundlage der bereits im Voraus festgelegten, effizienten Grundrisse ausgebaut.

Standard A
Offener Grundriss

Standard B
Ausgebauter Grundriss + bewohnte Fassade

Schnitt durch den Innenhof

Ansicht Schuhstraße